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Herbsthochwasser und Hangrutschung - Interview mit Univ.Prof. G. Patzelt

Frage: Gibt es eine bestimmte Jahreszeit, wo etwa das Ötztal im Falle großer Niederschläge besonders gefährdet wäre?
Patzelt: Besonders gefährlich sind im hinteren Ötztal - aber auch anderswo - mögliche, nicht so seltene Herbsthochwasser, da zu dieser Zeit im Hochgebirge überhaupt keine abflußverzögernde Schneedecke mehr vorhanden ist. Die Gletscher sind blank und die in den letzten Jahren frisch eisfrei gewordenen riesigen Flächen im Gletschervorfeld, die noch ohne Vegetation sind, haben ebenfalls keine Rückhalte-Kapazität für außergewöhnliche Regenfälle. Das letzte, alarmauslösende Hochwasser im Ötztal ereignete sich nach Starkniederschlägen am Alpenhauptkamm am 20.9.(!) 1999.
Frage: Wäre hier durch Stauseen ein Hochwasserschutz gegeben?
Patzelt: Wenn das verallgemeinernd so behauptet wird, ist das unseriös. Wie gesagt, und das zeigt auch ein Blick in die Aufzeichnungen aus den letzten Jahrhunderten, die Unwetter von September bis Oktober sind in diesem Raum besonders gefährlich und in dieser Zeit sind die Stauseen der Elektrizitätswerke bereits voll und bieten keinen Hochwasserschutz mehr.
Frage: Die TIWAG sagt, im August 1987 wären dort, wo sich Staudämme befinden, Überschwemmungen verhindert worden. Etwa im Kaunertal.
Patzelt: Wie man weiß, waren gerade damals die Niederschlagsmengen lokal sehr unterschiedlich, sogar im Ötztal gab es auf kleinstem Raum komplett verschiedene Wasserführungen. Gleich neben hochwasserführenden Bächen gab es ganz ruhige Bäche mit fast normaler Wasserfracht. Hier kann man nicht so einfach sagen, ohne Gepatschspeicher wäre das Kaunertal überschwemmt worden. Eben weil die Niederschlagsmengen innerhalb kürzester Entfernungen sich um ein Vielfaches unterschieden haben. Außerdem mißt im Kaunertal nur die TIWAG die Regenmengen. Und an diese Zahlen kommt man nicht heran.
Frage: Sie kennen auch das Rofental sehr gut, wo man immer wieder von geologischen Schwierigkeiten für einen Stausee hört. Was ist hier das Problem?
Patzelt: Es gibt hier eine akute Felszerreißung auf Plattei und es ist außerdem eine große Hangrutschung orografisch rechts vom Vernagtbach im Gange, die auch der Laie im Gelände sehen kann. Beide genannten Massenbewegungen würden vom kolportierten Stauziel erreicht werden. Sicher ist das Problem, das der Hangrutschung am Gepatsch-Stausee sehr ähnlich ist, der TIWAG bekannt und es ist an ihr, dem Erklärungsbedarf der Bevölkerung gegenüber nachzukommen.

Univ.Prof. Dr. Gernot Patzelt (Innsbruck) ist Hochgebirgsforscher und Glaziologe und mit dem Raum hinteres Ötztal besonders vertraut.

Interview vom 18. September 2004


 
 hangriss
Rutschung Hochmaiß am Gepatschspeicher

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