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Projekt-Betreiber gehen über Leichen

Weil die TIWAG um alles in der Welt satte Profite aus dem Ötztal herausholen will, fährt sie mit widerlicher Propaganda ins Ötztal hinein: durch die geplante Kraftwerkskette bekäme das in den vergangenen Jahrzehnten ein einziges Mal, 1987, vom Hochwasser arg betroffene Tal einen wirksamen Hochwasserschutz. Und wie ein Echo schallt es aus den hohlen Köpfen der kleinen Politikknechte zurück:
"Es ist für die Ötztaler unabdingbare Forderung, daß der Bau allfälliger Kraftwerke im Ötztal zu einem absoluten Hochwasserschutz im Tal führt." (ÖVP-Bezirksobmann, Bgm. J. Wolf aus Umhausen, Rundschau, 23.6.2004)
"Der Ötztaler Ache und dem Fischbach würde ein Großteil des Gefahrenpotentials genommen!" (Bgm. W. Kuen aus Längenfeld, Rundschau, 25.8.2004)
"Gerade im Ötztal hatten wir schon mit Hochwasser zu kämpfen. Es bietet sich an, dort den Hochwasserschutz mit der Gewinnung von Energie zu verknüpfen." (SPÖ-Bezirksobmann, Bgm. G. Reheis aus Imst, Rundschau, 22.9.04)

Hat dieses Argument auch wenig mit den Fakten zu tun, so könnte man diese Speichelleckerei doch als Speichelleckerei abtun. Aber dabei können sie es ja noch nicht einmal belassen. Sie müssen unbedingt die Unwetter-Toten des Jahres 1987 aus ihren Gräbern holen und für sich in Stellung bringen. "Größtes Plus aus der Sicht der Ortschefs ist der Hochwasserschutz. Die Ötztaler Ache hatte 1987 eine Überschwemmung ausgelöst, die 15 Menschen das Leben kostete." (Tiroler Tageszeitung, 17.8.2004) Wenn es ein Wort gäbe, das diese dreckige Hetze dieser Seelenfänger annähernd wiedergeben könnte, würde es hier stehen. Daß ein Ende August bereits voller Speicher - noch dazu im 30 km entfernten Sulztal - die über die blanken Venter und Gurgler Gletscher herunterschießenden Regenfälle wie 1987 nicht wird aufhalten können, das ist die eine, die logische Seite.
Werner Zednik hat das 1988 auf den Punkt gebracht: "Die Errichtung eines Speichers zum Zweck des Hochwasserschutzes und die Errichtung eines Speichers zur Energiegewinnung haben entgegengesetzte Betriebs- und Bewirtschaftungsziele. Das heißt, ein Speicher, der der Energiegewinnung dienen soll, muß immer so voll wie möglich sein. Ein Speicher für den Hochwasserschutz muß immer so leer wie möglich sein." Wie ein Kraftwerksstausee im Falle von Unwettern selbst zur Gefahr werden kann, haben unsere Landsleute im Südtiroler Martelltal schmerzlich erfahren (mehr dazu… ).
Haben die Gemeindeverantwortlichen schon vergessen, oder besser gesagt, perfekt verdrängt, warum die meisten Ötztaler Hochwasser-Opfer im August 1987 ihr Leben lassen mußten? Während an jenem Unglückstag die Straße von Längenfeld talauswärts um 22.30 Uhr gesperrt wurde, blieb sie von Umhausen taleinwärts noch vier Stunden lang offen und es fuhren in dieser Zeit 13 Menschen genau dort - auf der bereits unterspülten Bundesstraße - in den Tod. (Neben Helfern auch Katastrophengaffer).
Wenn die Toten von 1987 schon anklagen, dann nicht die Kraftwerksgegner, sondern die Einsatzleiter im Ötztal.
(siehe auch Kurzinterview mit Prof. Gernot Patzelt )

27.9.2004

 
 hochwasserschutz


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