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Noch ein Kohlekraftwerk-Projekt!
Die TIWAG missbraucht eingehobene Tarifzuschläge


So wie die TIWAG am Atomkraftwerk Zwentendorf beteiligt war und am AKW-Projekt St. Pantaleon, so war sie auch Mitbesitzer und Mitbetreiber des Kohlekraftwerks Voitsberg in der Steiermark. Als im Zuge der sogenannten, aber schon wirklich nur sogenannten, Marktöffnung die Schließung des Kohlekraftwerks Voitsberg 3 erwogen wurde, hat man beim Bund „Stranded Costs“ vorgeschoben und tatsächlich zusätzliche Aufschläge auf jede gelieferte Kilowattstunde genehmigt bekommen. Für den Anteil der TIWAG an Voitsberg war das, aufgeteilt auf die Jahre 2001 bis 2006, insgesamt ein Zusatzprofit von satten 8,87 Millionen Euro.

Der Kraftwerksblock Voitsberg 3, an dem neben der TIWAG vor allem der Verbund, aber auch STEWEAG und KELAG beteiligt und bezugsberechtigt waren, war erst 1983 in Betrieb genommen worden. Die EU-Liberalisierung und die damit sinkenden Energiepreise brachte die Konzerne auf die Idee, das Kohlekraftwerk Voitsberg zu schließen und sozusagen uns zu verkaufen, die wir bereits dessen Bau bezahlt hatten. Man bewertete die Investitionen in Voitsberg 3 plötzlich als „Stranded Costs“ und beantragte beim Wirtschaftsministerium „die Gewährung von Beihilfen zur Abdeckung von Erlösminderungen, die infolge der Marktöffnung entstanden sind und in Zusammenhang mit der Errichtung und dem Betrieb des Kraftwerkes Voitsberg 3 stehen“. Der Bund genehmigte 2001 mit Zustimmung der EU solche Beihilfen für die Schließung in der Höhe von 1,8 Mrd. Schilling, die sich die Energieversorgungsunternehmen aber über einen Aufschlag auf den Strompreis bei ihren Kunden holen sollten. Diese Zwangsabgabe „Stranded Costs“ wurde von den oben genannten EVUs von 2001 bis 2006 anteilsmäßig bei uns Strombeziehern eingehoben. Die TIWAG ließ sich damit die 2004 erfolgte Schließung des steirischen Kohlekraftwerks mit 122 Millionen Schilling von uns abgelten.





Der Ausstieg aus der Kohle wurde auch noch als ökologischer Fortschritt verkauft. Sogar der Rechnungshof fiel darauf herein und bemerkte in einem TIWAG-Bericht (2002): „Mit der Schließung dieses Kraftwerks könnte sich ein geringerer Verbrauch von fossilen – und daher umweltbelastenden – Brennstoffen ergeben.“

Wir haben den Bau von Voitsberg bezahlt.
Wir haben den Strom aus Voitsberg bezahlt.
Wir haben die Schließung von Voitsberg bezahlt.
Das Geld aus dem Verkauf des Kraftwerksblocks 2008 an den Industriellen Mirko Kovats haben aber wieder die EVUs eingesteckt.


Wallnöfer, die Umweltbombe

Das Frivolste ist freilich, dass die TIWAG jetzt wieder in das Drecksgeschäft mit der Kohle einsteigen will und wir das über die seinerzeitige „Stranded Costs“-Zwangsabgabe mitfinanzieren. Wir haben es bei der TIWAG offenbar mit einer Rückfalltäterin zu tun, nachdem wir viel Geld für deren Resozialisierung bezahlt haben.
Unser Bericht über die Beteiligung an der geplanten CO2-Schleuder an der Ostsee (nachlesen) ist auch von der TT abgeschrieben worden und hat einige Wellen geschlagen.



TIWAG-Ausstieg: Kohlekraftwerk Voitsberg (Steiermark)



TIWAG-Einstieg: Kohlekraftwerk Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern)


Und noch ein TIWAG-Kohlekraftwerk

Wir hatten geschrieben, die TIWAG wolle sich am geplanten Kohlekraftwerk der schwedischen DONG Energy in Lubmin beteiligen und habe bereits Anzahlungen geleistet. Warum hat Wallnöfer, entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, das alles sofort zugegeben? Weil es längst nicht alles war! Zwischenzeitlich ist nämlich bekannt geworden, dass die TIWAG bei einem weiteren Kohlekraftwerksprojekt in Deutschland dabei sein möchte, konkret bei einem der Trianel European Energy Trading mit dem Standort Krefeld-Uerdingen. Dort soll nach den Plänen der Trianel Kohlekraftwerk Krefeld Projektgesellschaft mbH & Co. KG auf einer Fläche von 15 Hektar eine Anlage mit einer Leistung von 750 MW entstehen, befeuert mit 259 Tonnen Steinkohle pro Stunde (!), die aus Asien, Südamerika, Südafrika oder Australien importiert werden müssten.

Angestrebt wird von Seiten der TIWAG ein fixes Bezugsrecht auf bis zu 100 MW der installierten Leistung, was einem Anteil von 13 Prozent am Kraftwerksblock entspräche und damit einem Investitionsanteil von rund 150 Millionen Euro!
Die Verhandlungen Wallnöfers mit der Trianel stehen offenbar knapp vor dem Abschluss. Der TIWAG-Eigentümervertreter Günther Platter muss, sollte er denn beim gegenwärtigen TIWAG-Regime irgendetwas zu melden haben, diesen Deal schleunigst unterbinden.



Blitzsauber: Die heile Welt der TIWAG wird durch kein CO2-Wölkchen getrübt.
Auf der Internetseite der TIWAG sucht man die geplanten Kohlekraftwerke vergeblich. Krefeld? Lubmin? Nie gehört!
So hab ich mir Krisenkommunikation immer schon vorgestellt.

Infos über das Trianel-Projekt in Krefeld und die Folgen


14.4.2009


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