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Innenansichten: "Was wird bloß aus unserer TIWAG?" -
Aus einem Gespräch mit einem hochrangigen Ex-TIWAGler


Frage: Sie haben im Vorgespräch gesagt, das Klima im Haus sei inzwischen derart schlecht, daß dies unbedingt einmal öffentlich gesagt werden müsse.
Antwort: Seit Bruno Wallnöfer, den ich nur als Feldwebel bezeichnen möchte, herrscht hier ein Kasernenhof-Ton. Der Versuch, das Haus so zu führen, wird der TIWAG nicht gut tun.

Frage: Haben Sie noch Kontakte im Haus?
Antwort: Ja, mit einigen Leuten - nicht nur aus meinem ehemaligen Umfeld - ziemlich regelmäßig. Und die erzählen von Angstmache, Mobbing am Arbeitsplatz und totaler Kontrolle. Fast täglich schon kommt eine neue Dienstanweisung von oben, und die Überwachung eines jeden Arbeitsplatzes wird immer noch perfekter. Für jeden Posten bis zur Putzfrau hinunter gibt es eine Dienstbeschreibung und jede Tätigkeit ist reglementiert. Es darf ja überhaupt keiner mehr reden im Haus. Es gibt praktisch keinen Pressesprecher mehr, das macht jetzt der große Vorsitzende alles selbst. Der Franz (Hairer), der heut als Vorstandsmitglied zuständig ist für den Kraftwerksbau, darf den Mund zu den Projekten gar nicht aufmachen. So schaut es aus derzeit. Diktaturmäßig. Ich sag das nicht gern.

Frage: Wie wirkt sich diese "Diktatur" auf die Stimmung im Haus aus?
Antwort: Auf jeden Fall katastrophal. Aber das ist ja beabsichtigt. Durch solche Maßnahmen soll der Mitarbeiterstand radikal reduziert werden, um die Unternehmensbilanz zu verbessern. Das ist ja ein haarsträubender Ansatz! Die Alten, die Erfahrenen, werden in die Pension gedrängt, die Jungen, die die Zukunft des Unternehmens wären, werden gekündigt oder mit Abschlagszahlung vertrieben. Und die Leute, die bleiben, gehen in die innere Emigration, machen Dienst nach Vorschrift oder versuchen, dieses Regime auszusitzen.

Frage: Hier wird sozusagen im 1:1-Modell vorgeführt, wie man ein Unternehmen auf gar keinen Fall führen darf, oder?
Antwort: Ja, genau (lacht). Hier wird die Substanz des Betriebes, das Humankapital, auf lange Sicht schwer beschädigt. Und das ist, auch wenn der Wallnöfer in zwei Jahren hinausfliegen sollte, in fünf oder zehn Jahren nicht einfach wieder gut zu machen. Hier fehlt dann einfach eine kreative Generation. Da ist dann vieles von unserem TIWAG-Geist unwiederbringlich verloren.

Frage: Kann man diesen Richtungswandel in der TIWAG konkret mit dem Amtsantritt des neuen Vorstands-Vorsitzenden Wallnöfer festmachen?
Antwort: Ich glaube schon. Er hat ja gleich gesagt, er müsse aufräumen und den Laden in Schwung bringen. Als erste Maßnahme hat er dann das Chefbüro vom Hönlinger herausgerissen und für sich neu eingerichtet, damit ihn dort ja nichts an seinen Vorgänger erinnert. Und einen nagelneuen protzigen Dienst-BMW hat er sich auch bestellt. Das kann ich ja alles nicht machen, wenn ich auf der anderen Seite einen brutalen Sparkurs gegen die Belegschaft fahre und an die 300 Stellen abbauen will.

Frage: Wieviele Leute stehen hinter Wallnöfer?
Antwort: Eine Handvoll vielleicht. Die Politiker-Söhne Mader und Zanon mit Sicherheit, der Pertl (Anm. Zentralbetriebsrats-Chef) als Möchtegern-Politiker vielleicht, der Pliessnig und ein paar andere. Ich möchte hier aber niemandem Unrecht tun.

Frage: Wie konnte es passieren, daß die TIWAG in die Hände von so einem wie Wallnöfer gerät?
Antwort: Das ist vielen von uns auch vollkommen unerklärlich. Das war wohl eine rein politische Entscheidung. Man hat sich für den Typus "Vollstrecker" entschieden. Dieser Mann hat ja keine Visionen und ist ja fachlich nicht kompetent. Ein politischer Emporkömmling. Alles, was er bis jetzt angepackt hat, ist ja, milde gesagt, schief gegangen. Ich habe große Sorge, und das sagen jetzt Leute, die heute noch im Haus arbeiten, in verschiedenen Bereichen, daß Wallnöfer die TIWAG zugrunde richtet, wenn ihm nicht bald das Handwerk gelegt wird.

Frage: Noch hat man aber den Eindruck, daß die Politik ihn weiter fuhrwerken lassen will.
Antwort: Ja, da scheint er abgesichert zu sein. Die alten Seilschaften funktionieren halt noch. Der Helmut (Anm. Helmut Mader, Landtagspräsident, früher Zentralbetriebsrats-Obmann der TIWAG) benimmt sich ja so, als ob das immer noch sein Laden wäre. Der zieht im Hintergrund sicher stark die Fäden.

Frage: Auch in der Öffentlichkeit gibt die TIWAG derzeit kein gutes Bild ab, oder?
Antwort: Sicher nicht, und wahrscheinlich zu Recht. Sie ist nach außen hin einfach auch durch ein unfreundliches, unsympathisches Gesicht repräsentiert. Ich versteh das nicht: Da hält sich der Vorstandsdirektor um gerüchteweise 150.000 Euro jährlich mit Bernhard Platzer einen persönlichen Berater und dann liefert das Unternehmen so ein jämmerliches Erscheinungsbild. Und das tut allen im Haus, und uns Pensionisten, die fast ihr ganzes Arbeitsleben im Haus verbracht haben, genauso, in der Seele weh. Schließlich ist es ja unsere TIWAG und nicht seine.

23. September 2004

 
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