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Argument "Hochwasserschutz": Speicher sind todsicher!

Künstliche Stauseen im Gebirge können im Frühsommer (wo sie noch genügend Speicherraum haben) gewöhnliche Unwetterkatastrophen lokal in ihren Auswirkungen bremsen. Sie können aber auch selbst zur tödlichen Gefahr für die dort lebenden Menschen werden. Drei Beispiele für solche Katastrophen aus Menschenhand:

Tatort Vajont in den Karnischen Alpen, 1963:
Um den großen Höhenunterschied zwischen dem Vajont- und dem Piavetal für ein Kraftwerk auszunutzen, wurde Ende der Fünfziger Jahre mit dem Bau eines riesigen gewölbten Staudammes hinter Longarone begonnen, der 100 Millionen m³ (Sulztalprojekt: 120 Mio. m³) Wasser zurückhalten sollte. Obwohl bei den Einheimischen das Gebiet seit jeher als instabil galt und bereits während des Baus ein Hang in das Staubecken rutschte, wurden die Arbeiten fortgesetzt. Bei den Einfüllproben zeigten sich neue Risse an den Bergflanken, der Berg Toc wurde vom Wasser untergraben. Am 9. Oktober 1963 löste sich der gesamte südliche Hang - zwei Kilometer lang, über einen Kilometer breit und 150 Meter tief - und stürzte mit über 100 km/h in den Stausee: mehr als 260 Millionen m³ Gestein. Die Folge war eine verheerende 70 Meter hohe Flutwelle, die die Dörfer Erto und Casso sowie das Zentrum von Longarone mitsamt den umliegenden Fraktionen unter sich begrub: 2500 Menschen starben (mehr ...).

Tatort Fréjus am Westabhang der Alpen, 1959:
Nach den Plänen des Architekten Coyne, der sich selbst als „die größte Kapazität auf dem Gebiet des Baues von Staudämmen in der ganzen Welt“ bezeichnete, entstand in den Fünfziger Jahren der Wasserspeicher von Malpasset mit einem Stauraum von 50 Millionen m³ (Finstertalersee 60 Mio. m³). Am 2. Dezember 1959 fällt sintflutartiger Regen, der bereits übervolle Stausee unterspült den Damm - dieser bricht und eine 55 m hohe Flutwelle wälzt sich innerhalb von Minuten nach Fréjus und reißt 500 Menschen in den Tod.

Tatort Martell in Südtirol, 1987:
Genau an jenem 24. August des Jahres 1987 als das hintere Ötztal infolge heftiger Unwetter übel zugerichtet wurde, fielen auch im nur vierzig Kilometer entfernten Martelltal große Regenmengen. Der Zufritt-Stausee des Kraftwerks an der Plima im Hintermartell war zu dieser Zeit zwecks Gewinnmaximierung bereits randvoll und so öffnete der Schleusenwärter (der entgegen den Vorschriften allein Dienst versah) auf Befehl seiner Vorgesetzten die Grundschleusen des Stausees, „eine Art großes Tor am Fuße der Staumauer, das für Ausnahmesituationen wie Bombardierungen gedacht ist. Und das - aufgrund technischer Probleme - eine Stunde lang nicht mehr geschlossen werden konnte.“ (FF, 12.8.2004). Eine Flutwelle mit 350 m³ Wasser pro Sekunde zusätzlich schoß talaus, riß in der Gemeinde Martell 16 Häuser mit sich und zog eine Spur der Verwüstung bis in die Latscher Industriezone. Trotz der gewaltigen Schäden gab es weder Verletzte noch Tote. Die Einwohner konnten gerade noch rechtzeitig evakuiert werden.

Man kann es sich anhand dieser drei Beispiele aussuchen, ob man die Gefahr dieser angeblich vor Hochwasser schützenden Staumauern lieber in der unsicheren Geologie der Speicherregion (Vajont), in der fehlerhaften Konstruktion des Dammes (Fréjus) oder in einer Kombination aus Profitgier und menschlichem Versagen (Martell) sehen will.
In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, daß auch beim ersten Aufstau des Kaunertalspeichers an der westlichen Hangseite gleich hinter dem Damm 1964 eine Bergflanke im Ausmaß von ca. 100 ha in Bewegung geraten ist. Durch den Hangriß von über 1 Kilometer Länge gerieten ca. 20 Millionen m³ in Bewegung. Die Rutschung ist angeblich zum Stillstand gekommen, die Spuren der Setzung sind heute noch weithin sichtbar.
Staudämme können vielleicht die Zahl der Hochwässer vermindern, aber sie potenzieren möglicherweise ihr Ausmaß.

 
 Gedenktafel im Martelltal
Gedenktafel im Martelltal

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