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Wie die Familie van Staa zu 10.000 m2 TIWAG-Grund gekommen ist

Während andere oft lange Zeit warten müssen, falls sie nicht gerade Tobias Moretti heißen und ein Eberle-Spezl sind, oftmals fünf Jahre den Hof bewirtschaften müssen, bevor sie ihn erwerben dürfen, ging es bei den van Staas ruckzuck. Miterworben wurde ein alter, denkmalgeschützter Hof, dessen Abtrennung und Weitergabe an ein anderes Familienmitglied sogar vertraglich ausdrücklich ausbedungen wurde. So weit, so hinterfragenswert.


Familienfreundliche ÖVP

Van Staa redet im Wahlkampf viel von Familienfreundlichkeit. Zumindest was seine eigene anlangt, ist ihm damit auch ernst.

Kaum hatte der Neobauer in der Familie, der natürlich weiterhin unter dem Dach des Papas wohnte, seinen Hofkauf (mitgeteilte Pauschalsumme: S 5,000.000,--) erfolgreich abgewickelt und ins Grundbuch gebracht, begannen sich die Staas nach Arrondierungen zu den 4,5 ha Fläche in Wildermieming umzusehen.
Es ist schwer zu sagen, ob Papa Herwig eines Tages von einer TIWAG-Aufsichtsratssitzung nach Hause kam und Sohn Benedikt von vier schönen landwirtschaftlichen Grundstücken der TIWAG in der Gemeinde Stams erzählte, oder ob umgekehrt der Jungbauer selbst bereits ein begehrliches Auge auf die vier Wiesenstreifen entlang des Ausleitungskanals unterhalb des Krafthauses in Silz geworfen hatte. Egal. Jedenfalls ist nicht bekannt, dass die TIWAG den Verkauf ausgeschrieben hätte oder dass eine Vergabe an den Bestbieter unter mehreren Interessenten erfolgt wäre.



Grundparzelle 1854/2 in der Katastralgemeinde Stams: Links hinter den Büschen der Kanal, der das abgearbeitete Wasser aus dem Kühtai vom Krafthaus Silz (im Hintergrund) in den Inn einleitet


Nicht nur weil vielleicht direkte Anrainer (Silzer, Mötzer, Stamser Bauern) von der Sache Wind bekommen könnten, sondern noch aus einem anderen Grunde musste der Handel jetzt schnell abgewickelt werden.

Die TIWAG mit Papa van Staa im Aufsichtsrat war in diesem Frühsommer 2001 gerade dabei, den Cross-Border-Deal Sellrain-Silz einzufädeln, das heißt, die gesamte Kraftwerksgruppe von den Wasserfassungen im hinteren Stubai bis zur Einmündung des Ausleitungskanals in den Inn an sogenannte Finanzdienstleister in den USA zu verpaschen. Wollte man noch etwas aus diesem riesigen Anlagenkomplex herauslösen, so war Eile geboten. Noch bevor die Schätzgutachter der US-Trusts den Bestand der Kraftwerksgruppe in Augenschein zu nehmen begannen und die gesamte „Sellrain-Silz Pump Storage Hydro-Electric Power Generating Facility“ bis zum kleinsten Schräubchen inventarisiert wurde, mussten die von van Staa begehrten 10.000 m2 Grund abgetrennt und aus den TIWAG-Gesamtflächen herausparzelliert werden.

Und so war der Besitzübergang dieser ebenen und gut erschlossenen Wiesen von der TIWAG an Benedikt van Staa auch bereits auf einem guten Weg, als der TIWAG-Aufsichtsrat (dem zu dieser Zeit auch Papa van Staa angehörte) am 22. August 2001 der Vercrossborderung von Sellrain-Silz grundsätzlich zustimmte. Vermessung, Vertragserrichtung usw. gingen wieder ruckzuck, sodass der Kauf- und Dienstbarkeitsvertrag (für die kostenlose Benützung der TIWAG-Privatstraße) bereits im Oktober und damit lange vor dem „Closing“ des Cross-Border-Vertrages (21.12.2001) von beiden Seiten unterschrieben werden konnte.







Finanziert wurden die landwirtschaftlichen Grundkäufe und Investitionen der van Staas teilweise durch zinsgünstige Darlehen des Landeskulturfonds (2,6 % Z) und der Landarbeiterkammer (0 % Z).



Spekulationsobjekt?

Falls die TIWAG zu einem Ausbau der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz mit zusätzlichem Wassereinzug und einer zusätzlichen Oberstufe im Kühtai kommen sollte, wird sie auch den 1158 Meter langen Abflusskanal aufweiten müssen. Dann werden ihr die angrenzenden Flächen wieder fehlen. Und wenn sie die schmale Zufahrtstraße (Feldweg) zum Krafthaus entlang des Kanals verbreitern will.



Im Luftbild (TIRIS) der Ableitungskanal vom Krafthaus in Silz (links) zum Inn: gelb hervorgehoben die von der TIWAG an van Staa verkauften Grundparzellen 1868/3, 1854/2, 1854/3 und 177/4 (v.l.n.r.)


Mit Sicherheit wird sie bei der geforderten Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie so etwas wie ein Auffangbecken am Kanal einrichten müssen, um – wie vorgeschrieben - den Schwall aus dem Krafthaus zu bremsen und das abgearbeitete Wasser dosiert in den Inn einleiten zu können.
Dann wird die TIWAG den seinerzeit um 90 Schilling pro m2 günstig verkauften Grund teuer als Baugrund von van Staa zurückkaufen müssen.

War das vielleicht der eigentliche Hintergrund des ganzen Deals?

11.3.2008


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