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Die Zeitungsente des Jahres: Der Fall des Alois Partl

Am 19. März 2010 soll der frühere Landeshauptmann von Tirol (1987-1993) nach einer kleinen Feier im Landhaus um ca. 15 Uhr 30 auf dem Abgang zu seinem Auto in der Landhausgarage über die Stiege gestürzt sein und sich dabei schwer verletzt haben. Erst nachdem er sechs Stunden lang dort bewusstlos und im eigenen Blut gelegen sei und Hunderte von Passanten an ihm vorbei gegangen oder über ihn drübergestiegen seien, sei der Unfall gemeldet und er in die Klinik gebracht worden.




Um was für eine „kleine Feier“ hat es sich denn gehandelt?
Altlandtagspräsident Helmut Mader wurde um 11 Uhr im Landtagssitzungsaal mit dem Ehrenring des Landes Tirol ausgezeichnet. Der politische Hochadel, inklusive Alois Partl, selbst Ehrenringträger, war zugegen.

Wo wurde gefeiert?
Das Festbankett fand anschließend im Hotel Europa in Innsbruck statt. Offiziell war um ca. 15 Uhr Schluss. Alois Partl aber ist irgendwo an einer Bar hängengeblieben. Zusammen mit dem Ex-Politiker Ferdinand E. (Name der Redaktion bekannt) und einer weiteren Person. Dort wurden, angeblich, auch harte Getränke konsumiert. Fast sechs Stunden lang. Gegen 21 Uhr soll Ferdinand E. wie selbstverständlich zwei Autos der TIWAG samt Chauffeuren bestellt haben, um die drei vermutlich stockbesoffenen Herren nach Hause zu fahren (u.a. nach Lans und Heiterwang).
Alois Partl, 1987 - 1993 TIWAG-Eigentümervertreter, schlug das TIWAG-Angebot aus und begab sich, wohl im wahrsten Sinne sturzbetrunken, zu seinem Auto in der Landhausgarage, in der Absicht, selbst nach Hause zu fahren. Auf dem Weg dorthin dürfte er um ca. 21 Uhr über die Stiege hinuntergefallen sein.




Wie lange lag Partl im Stiegenhaus?
Nach zehn, höchstens 15 Minuten wurde der schwerverletzte Altlandeshauptmann bereits entdeckt und die Rettung gerufen. In der Klinik, gegen 23 Uhr wieder zu Bewusstsein gekommen, wurde er gefragt, wer von seinen Angehörigen zu informieren sei. Und da soll er den Namen seiner Schwiegertochter und nicht den seiner Frau genannt haben.

Wie kam es zur 6-Stunden-Version?
Weil Partl die Sauforgie seiner Frau gegenüber verheimlichen musste, legte er sich das Riesenei mit den 6 Stunden im Garagenabgang, aus dem dann die größte Zeitungsente des Jahres geschlüpft ist.









Handelt es sich um „mangelnde Zivilcourage“?
Ja, des Altlandeshauptmannes. Nur weil er selbst nicht den Mumm hatte, seiner Frau die Wahrheit zu sagen, wurde die Bevölkerung pauschal fehlender Zivilcourage verdächtigt und wurden gleich Hunderte Garagenbenützer verleumdet, Hilfeleistung unterlassen zu haben. Als Musterbeispiel dafür kann der Leitartikel der Tiroler Tageszeitung angesehen werden. Die Denunziantengeschichte wurde auch über die APA und die ZIB verbreitet.




Wie schnell die Staatsanwaltschaft in Tirol von Amts wegen tätig wird, wenn es um einen Politiker geht, haben wir ja beim Schwein-Sager van Staas erlebt (oben: TT vom 21.7.2010)

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Ist es ein Fall für den Staatsanwalt?
Ja, sicher. Aber in die andere Richtung.

Die Frage ist, was die Staatsanwaltschaft jetzt tun wird.
• Wird sie gegen Alois Partl wegen mutmaßlicher falscher Zeugenaussage vorgehen?
• Wird sie gegen Alois Partl nach § 298 StGB ein Verfahren wegen Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung (§ 95 StGB: "unterlassene Hilfeleistung") einleiten?
• Wird sie gegen Ferdinand E. und seinen Begleiter ermitteln, weil sie die mutmaßliche Täuschung der Staatsanwaltschaft durch Partl gedeckt haben?
• Wird sie Ferdinand E. und seinen Begleiter verfolgen, weil sie den sturzbetrunkenen Alois Partl nicht daran gehindert haben, noch selbst mit dem eigenen Auto nach Hause zu fahren.
• Wird die Justiz die angelaufenen Ermittlungskosten in einem Fall, den es gar nicht gibt, von Alois Partl zurückfordern?


Welche Fragen bleiben noch offen?
• Haben die ÖVP-Bonzen mit fetten Politerpensionen auf Landeskosten im Hotel weitergesoffen?
• Wurden Ferndinand E. und sein Begleiter schließlich auf TIWAG-Kosten von TIWAG-Chauffeuren mit TIWAG-Autos nach Hause gebracht?
• Wie hoch war der Alkoholgehalt des Herrn Partl bei der Einlieferung in die Klinik?
• Wird ihm nach Kenntnis dessen, dass er mutmaßlich in betrunkenem Zustand sein Auto in Betrieb nehmen wollte, der Führerschein entzogen?
• Werden die Medien, allen voran die Tiroler Tageszeitung und der ORF Tirol, die Zivilcourage haben, ihre beispiellose Fehlinformation zuzugeben und zu korrigieren? Und werden sie in Zukunft vielleicht gar ein bisschen weniger politikergläubig sein?

9.8.2010



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